Renate Grund
Renate Grund

Gitarre lernen - Lebensstationen

Den Anfang auf der Gitarre fand ich bei Herrn Rippien an der Jugendmusikschule Lauda.

Mit 13 Jahren begann ich im Gruppenunterricht mit 2 Freunden Akkorde zu zupfen und Melodien in verschiedenen Lagen zu spielen. Unser Repertoire bestand aus deutschem Volksliedgut und ein paar Schlagern. Mit 15 dann im Einzelunterricht kamen die Inventionen von J.S.Bach auf den Lehrplan, gesetzt für 2 Gitarren. Sonatinen von Giuliani, das Etudenwerk von Heinrich Albert, Boccherinis Quintett Nr. 7 für Gitarre und Streicher waren Highlights im Unterricht bei Herrn Rippien. Er war Musikschuldirektor, begnadeter Geigenspieler, wunderbarer Chorleiter und Dirigent, er war ein „Gentleman der alten Schule“ immer freundlich, immer geduldig und hat mich von Stunde zu Stunde geführt und sogar mit Extra Stunden in Harmonielehre gefördert - aber er war kein Gitarrist.

So kam es, dass ich nach 4 Jahren Unterricht und inzwischen Mittelstufen-Schwierigkeit als hauprtsächliche Technik für die rechte Hand eine simple Anschlagstechnik verwendete: Ringfinger für Saite 1, Mittelfinger Saite 2, Zeigefinger Saite 3 und der Daumen spielt die Saiten 4-6. Auch so kann man Gitarre spielen, und es kam gut an, wie auch mancher Zeitungsartikel nach einem Schülervorspiel berichtete.

Mit 17 dann – mein Gitarrenlehrer spielte mir schon seit 2 Jahren nichts mehr auf der Gitarre vor - hatte er auf seiner Suche nach einem ausgebildeten Gitarristen Toni Götz auf dem Konservatorium in Würzburg gefunden. Dieser hatte gerade die Meisterklasse bei Michael Tröster erfolgreich beendet und sollte mich auf ein evtl. anvisiertes Studium der klassischen Gitarre vorbereiten.

An die erste Stunde mit Toni erinnere ich mich als wäre sie letzte Woche gewesen. Nachdem ich ein Stück vorspielte, das er gelassen anhörte, sollte ich verschiedene Techniken ausprobieren. Und dann kamen erste Korrekturen für meine rechte Hand. Das erste Mal in meinem Leben hörte ich etwas von dem fundamental wichtigen Wechselschlag. Sogar meine linke Hand wurde in jeglicher Hinsicht korrigiert, und das war auch nötig, denn die war völlig verkrampft. Der Kontakt war sehr nett, deshalb kam erst auf dem nach Hause Weg bei mir an, was gerade passiert war:

Komplette Umstellung der linken Hand und völlig neue Technik für die rechte Hand verknüpft mit dem Verbot, die einstudierten Stücke zu spielen. Mein Widerstand das Neue anzunehmen, keimte allerdings nicht einmal richtig auf, weil ich sehen konnte, dass es der richtige Weg war. Mit Brower-Etuden und Szordikowski´s Impromptus kam ich dann überraschend schnell in die Umstellung, und jedes Mal wenn ich mir ein schönes „altes“ Stück gönnen wollte, wurde sofort klar, dass es nicht möglich ist, die neue Technik einfach zu übertragen. Alte Anschlagsmuster hatten die Oberhand und die Verkrampfung war auch sehr schnell wieder da.

Trotz allem ließ ich nicht locker und versuchte es immer wieder, bis sich mehr Erfolg im Übertragen der Technik zeigte aber das dauerte Jahre. Ich schreibe das hier auch für meine Schüler und deren Eltern so detailliert auf, weil es immer wieder vorkommt, dass Haltungsumstellungen sein müssen, allerdings im seltensten Fall so krasse wie ich sie kennengelernt habe. Ich will Euch Mut mit meiner Geschichte machen und damit ausdrücken, dass es möglich ist. Aber auch der Hinweis knüpft sich daran an, dass es Zeit kostet, Disziplin und den Willen es zu machen.

In Notenläden habe ich Unsummen für Gitarren-Solo-Literatur ausgegeben, und mich beständig selbst an die Erarbeitung der schwierigen Stücke von Komponisten wie de Falla, Baden Powell, Llobet, Parallel habe ich Klavier und Altblockflöte gespielt, Harmonielehre durchgeackert, und schon recht viel unterrichtet. Doch kurz vor den Anmeldungen zur Aufnahmeprüfung, die ich wahrscheinlich schaffen würde, wie Toni meinte, habe ich mir alles anders überlegt. Mit der Zeit wurde mir klar, dass das Studium einen Musiklehrer aus mir machen würde, der Tag für Tag im Kämmerchen sitzt und Schüler unterrichtet, die kommen und gehen. Als Lebensbeschäftigung konnte ich mir das nicht vorstellen – leider – denn die vielen anderen Aktivitäten, die auch dazu gehören, kannte ich damals gar nicht. Aber hier steht kein Schluss- sondern ein Doppelpunkt denn nach dem Abitur begannen musikalisch viele neue Wege.

An meinem Studienort konnte ich leider keinen Lehrer finden, mit dem ich kontinuierlich weiter gekommen wäre. Ich habe mich aber mit Blues Jazz und Songbegleitung beschäftigt, mal mehr mal weniger aber immer wieder.
Druckversion Druckversion | Sitemap
Diese Homepage wurde mit Hilfe von Charlotte Grund erstellt