Renate Grund
Renate Grund

Mein Weg zum Gitarrenunterricht

Mit dreizehn Jahren brachte meine Mutter das Thema, ein Musikinstrument zu erlernen auf. Ich entschied mich für Gitarre. Der schöne warme und etwas melancholische Klang des Instruments waren für mich mehr ausschlaggebend als die im Jahr 1972 immer öfter zu sehenden E-Gitarristen mit ihren verzerrten Sounds.

Der Unterricht begann an der Jugendmusikschule mit zwei Freunden und mit: Akkorde zupfen, Volksliedern und Notenlesen. Die ersten Hürden waren schnell überwunden und mit den Akkorden wurde der Spaß immer größer. Das Melodiespiel wurde vom leidigen Notenlesen überschattet, um das ich mich 2 Jahre – zum Glück ohne aufzufallen - herumgedrückt hatte.

Als meine Freunde ausgestiegen waren kam eine versierte Notenleserin mit mir zusammen zum Zweier-Unterricht. Ich merkte wie das Eis für mich dünner wurde, aber es durfte auf keinen Fall auffallen, dass ich schlicht keine Noten lesen konnte, ohne abzuzählen. Wir spielten zu dieser Zeit die Invention C-Dur von J. S. Bach für 2 Gitarren. Nachdem ich es wirklich mit der Angst zu tun bekam, aufzufliegen, wurde mein Lehrer krank. Schade! Aber ich hatte eine zweite Woche gewonnen.

Plötzlich hatte ich großen Ehrgeiz, meine Lücken aufzufüllen. Auch in der kommenden Woche blieb mein Lehrer fern und ich machte mich an die zweite Hälfte des Stückes, schließlich an die 2. Stimme und als mein geliebter Lehrer nach sechs Wochen wieder kam konnte ich ihm die erste Hälfte des Stückes zweistimmig vorspielen. Ich meine, er hätte feuchte Augen bekommen, aber damals habe ich nicht wirklich auf so etwas geachtet.

Vor allem in den letzten Jahren habe ich mich wiederholt gefragt, weshalb ich so weit gekommen bin in nur 6 Wochen, weshalb ich etwas getan habe, was ich nie zuvor getan oder gesehen hatte. Die Frage rührt auch daher, was muß passieren, dass auch bei jedem meiner Schüler der Knoten aufgeht, wie man so schön sagt. Meine Antwort reicht dahin, dass ich meinem Lehrer eine Freude machen wollte, oder vielleicht wollte ich einfach mal hören, wie das zusammenklingt. Vielleicht finde ich irgendwann noch eine andere Antwort.

Auf jeden Fall hat sich jede Anstrengung gelohnt, denn von da an ging es sehr schnell voran, und es gab an der Musikschule niemanden, der besser spielte als ich. Und das blieb so bis ich die Schule nach dem Abitur verließ. Mein Lehrer hat mir auch nichts mehr auf der Gitarre vorgespielt, sondern geholfen, die Stücke musikalisch und die Fingersätze zu erarbeiten

Als ich 16 war, gab mir mein Gitarrenlehrer eine erste Kindergruppe, die ich unterrichten durfte. Da wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen. Das war wirklich cool. Da ich ja noch kein Unterrichtskonzept hatte, stand ich immer wieder in spannenden Situationen. Und im richtigen Moment noch die packende Lösung zu finden, die neu und individuell für meinen Schüler ist, das finde ich auch heute noch mindestens genauso prickelnd wie damals.

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